Warum...

MUND ZU!

Der offene Mund


Manchen Eltern fällt gar nicht mehr auf, dass ihr Kind ständig den Mund offen hat. Abgesehen davon, dass dies ein Anlass wäre, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen, denn eine gestörte Nasenatmung ist alles andere als „natürlich“ und kann Zeichen für verschiedene Krankheiten oder auch Allergien sein: Ein offener Mund ist auch hinsichtlich der Zahngesundheit alles andere als „normal“.

Die Natur hat vorgesehen, dass der Mund geschlossen sein und bleiben soll – außer beim Essen und Sprechen. Es ist ein fein abgestimmtes Biotop im Mundinneren, hinter den geschlossenen Lippen, das eine feuchte Lebenswelt braucht, um gesund zu funktionieren. Ein offener Mund dagegen lässt das Biotop immer wieder austrocknen – mit vielfältigen Folgen, darunter nur beispielsweise Karies und Zahnfleischentzündungen.

Warum aber haben manche Kinder ständig einen offenen Mund? In der Regel ist dieses Verhalten nicht angeboren, sondern „erworben“. Die Kinder merken nicht, dass Unterlippen und Unterkiefer schlaff herunterhängen – und es sagt ihnen auch keiner und ermuntert sie, darauf zu achten, den Mund zu schließen. Das wäre aber hilfreich, denn was anfangs nur eine „schlappe Lippe“ ist, kann später zu einer unattraktiven (und ungesunden) Gesichtsverformung führen: Ist der Mund offen, liegt die Zunge nicht in ihrer angestammten Ruheposition am Gaumen im Oberkiefer, sondern im Unterkiefer. Wenn dies eher die Regel als die Ausnahme ist, kann die Zunge aus Platzbedarf den Unterkiefer nach vorne und in die Breite drücken. So eine später behandlungsbedürftige Fehlstellung des Kiefers und der Zähne hervorrufen.

Außerdem ist das Atmen durch die Nase auch ein Infektionsschutz: Die Luft wird leicht angewärmt, krankheitsverursachende Bakterien „gefiltert“ – so sind Nebenhöhlen und Bronchien besser geschützt.

Auch wenn Eltern solche erzieherischen Ermahnungen wie „sitz gerade“ oder eben auch Hinweise zum offen stehenden Mund heute nicht mehr für modern halten mögen – sie helfen ihrem Kind nachhaltig, wenn sie es immer wieder liebevoll aber konsequent mit einem „Mund zu...“ an diese kleine „sportliche Übung“ erinnern.

Kleiner Test: Um zu erkennen, ob Ihr Kind tatsächlich schlecht Luft durch die Nase bekommt oder einfach nur vergessen hat, dass die Nase zum Atmen da ist, bitten Sie das Kind, einen großen Schluck Wasser in den Mund zu nehmen und den wirklich ganz lange festzuhalten. Wenn das Kind Nasen-Atmungsprobleme hat, bekommt es keine Luft und spuckt das Wasser rasch wieder aus. Im anderen Fall wird es zeigen wollen, wie lange es den Riesenwassertropfen festhalten kann – und Sie sehen: Es kriegt durchaus Luft durch die Nase. Sie sollten dann das Nasenatmen ganz bewusst trainieren. Hier können auch Mundvorhofplatten sinnvolle „Hilfen“ sein, speziell angepasst vom Kieferorthopäden und begleitet von liebevollen Eltern, die ihrem Kind vermitteln, dass ihnen der Mundschluss wichtig ist und die Übungen auch.