Warum...

ZAHNBELAG

Der Zahnbelag (Plaque) ist auf den ersten Blick durch ein Mikroskop tatsächlich so eklig, wie er sich anhört. Es ist eine Mischung aus Abermillionen verschiedenster Bakterien, aus Verunreinigungen, abgestorbenen Hautzellen... Heutzutage nennt man das „Biofilm“. Der Biofilm ist normal – so lange alles im Gleichgewicht bleibt. Nehmen die schädigenden Anteile im Biotop Mund überhand, gerät das System aus dem Lot und es entwickeln sich Krankheiten und Zerstörungen.

Plaque beginnt damit, dass erste Bakterien sich mit dem feinen Schutzhäutchen über der Zahnoberfläche (Pellikel) verbinden – nicht alle rutschen daran ab und wandern mit dem Speichel in den Magen, sondern manche werden durch allerkleinste magnetähnliche Anziehungskräfte festgehalten. Spezielle Kleber sorgen dafür, dass die Bakterien-Pellikel-Verbindung fest bleibt, und schon kommen weitere Bakterien hinzu und verdichten die Anlagerung. Es bilden sich erste Nischen in der Zahnoberfläche, und in diesem warmfeuchten geschützten Bereich können sich die Bakterien bestens vermehren.

Besonders oft bilden sich solche Zahnbeläge am Übergang von Zahn und Zahnfleisch – wenn man nicht aufpasst, erwischt man beim Zähneputzen die ersten weichen Bakterienanlagerungen in der kleinen Zahnrand-Nische nicht. Zahnbelag an dieser Stelle führt auch zu Zahnfleischreizungen und -erkrankungen: Die Säure spezieller Bakterien in den Zahnbelägen ist für das Zahnfleischgewebe giftig und zerstört die Zahnfleischzellen. Das sieht man sogar: Die Zahnfleischränder sind leicht gerötet und etwas geschwollen.

Wird der Bereich nicht rasch geeinigt (deshalb soll man auch bei Zahnfleischbluten auch Zähne und Zahnfleischränder sauber putzen statt sie zu schonen!), zerstören die Giftstoffe immer mehr Zahnfleischzellen und –fasern und das Gewebe um den Zahn löst sich auf. So entsteht ein immer tiefer werdender Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch, der einen idealen Schutzraum für die Bakterienbeläge bietet. Die Folge: Parodontits, eine Zahnbett-Entzündung. Sie kann so weit fortschreiten, dass der Zahn jeglichen Halt verliert und ausfällt – obwohl er selbst eigentlich gesund ist.

Es gibt weichen und harten Zahnbelag. Den harten, der eine fortgeschrittene Stufe des weichen ist,  nennt man Zahnstein. Hart wird Zahnschmelz, wenn er nicht früh genug entfernt wurde: Dann verbindet sich der Bakterienfilm mit weiteren Stoffen und „mineralisiert“, wird also „steinern“.

Auch wenn es überraschend klingt: Diese Bakterienansiedlung, der weiche Biofilm, ist ein Teil der natürlichen Immunabwehr: Krankmachende Bakterien werden von den Zahnbelag-Bakterien-Kolonien daran gehindert, sich im Mund und im Körper breit zu machen. Wenn sich die Zahnbeläge aber nicht regelmäßig „erfrischen“ können, sondern alt und fest werden, ist es aus mit der Schutzwirkung. Deshalb ist Zähneputzen – so einfach das klingt – die einfachste und sicherste Maßnahme, um Zähne und Zahnbett, ja den ganzen Mund gesund zu erhalten.