Warum...

SÜSSES...

...als Tröster?


Die Frage „wer hat damit angefangen“ ist vielleicht genau so schwer zu beantworten wie diejenige, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Wenn Erwachsene Stress haben oder geistig „verbraucht“ sind, greifen sie zum Süßen. Ein Stück Schokolade gegen niedergedrückte Stimmung, nach zu langer Denkarbeit am Schreibtisch, bei Ärger über dies und das: Süßes tröstet.

Es wundert also nicht, wenn Eltern ihrem Kind, das – aus welchen Gründen auch immer – unzufrieden ist, etwas Süßes geben, denn Süßes stimmt fröhlich. Machen es Eltern so, weil sie das als Kind selbst so erlebt haben? Oder ist es ein „natürliches Bedürfnis“, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen die Laune verbessert?

Neurologen haben bei Hirnuntersuchungen auch Belohnungszentren entdeckt und festgestellt, dass Süßes einen Energieschub im Hirn auslöst – man kann die nächste Denksportaufgabe auch noch lösen, obwohl man eigentlich schon ermüdet war. Trotzdem ist man der Biologie nicht hilflos ausgeliefert, und die Biologie hat auch nicht vorgesehen, dass Süßes immer wieder als eine Art „Doping“ eingesetzt wird.

Das bedeutet: Nicht bei jedem Gequengel braucht das Kind ein Bonbon, nicht bei jedem Frust ein Stück Schokolade, und manchmal möchte es auch einfach auf den Arm und gestreichelt werden. Das jedenfalls ist aus zahnmedizinischer Sicht die weitaus bessere Lösung – denn wer schon im Kleinkindalter geradezu darauf trainiert wird, dass es bei Unlust und Frust etwas Süßes gibt, wird das Bedürfnis auch in der Schulzeit und oft bis ins hohe Alter beibehalten.

Zwei Tipps der Zahnärzte und der Kieferorthopäden:

1. Süßes gehört zu den Nahrungsmitteln. Man „isst“ sie am besten auf einen Rutsch, so dass die Mundbakterien nur wenig Zeit haben, Säure zu bilden. Lieber eine halbe Tafel Schokolade hintereinander weg knabbern als „brav und wohlerzogen“ immer ein kleines Stückchen davon zu naschen. Und anschließend: Zähne putzen!

2. Ungünstige Rituale lassen sich vermeiden, wenn man sie früh genug erkennt – und ihnen gegensteuert. Wer merkt, dass er leicht zum süßen Tröster greift, wenn das Kind traurig oder missmutig ist, kann leichter innerlich „Stopp“ sagen und zu anderen trostreichen Wegen übergehen. Nebenbei schützt man das Kind davor, selbst später immer wieder an die Schokodose zu gehen, weil es das „jetzt braucht“.